Aktuell / 10.02.2012

Virtuelle Kraftwerke: Tausendfache Speicher in Berlin und Dortmund

Projektleiter Hanno Balzer zeigt die summierten Kraftwerksdaten in der Berliner Wärmewarte. Foto: Vattenfall

Virtuelle Kraftwerke verbinden den Strom- und Wärmemarkt mit erneuerbaren Energien. Überschüssiger Strom aus Windkraft wird als Raumwärme und Warmwasser gespeichert. So kann Windstrom verwertet werden, wenn die Windeinspeisung den aktuellen Lastbedarf im Netz übersteigt. Anfang Februar 2012 startete RWE mit der Vermarktung des virtuellen Kraftwerks an der Energiebörse EEX in Leipzig.


Mit der Anbindung einer Reihenhaussiedlung in Hamburg-Bramfeld werden seit Ende Januar 2011 mehr als 6.000 Wohneinheiten in Hamburg und Berlin über die Steuerung eines virtuellen Kraftwerks mit Wärme versorgt. Im Oktober 2010 hat Vattenfall sein virtuelles Kraftwerk mit den ersten 15 Anlagen in Betrieb genommen. Die Überwachung und Steuerung der dezentralen Anlagen mit inzwischen einer Gesamtleistung von über 30 MWth erfolgt aus der Vattenfall Wärme-Leitwarte in Berlin, aus der auch die großen Kraftwerke gesteuert werden.

Virtuelles Kraftwerk für 100.000 Berliner Wohneinheiten

Die Mitarbeiter überwachen, ob die Anlagen betriebsbereit sind oder ein technischer Defekt vorliegt. In dem Anlagenverbund befinden sich derzeit Wärmepumpen der Größenklassen von 10 bis 25 kWth und Blockheizkraftwerke (BHKW) mit einer Leistung von 5,5 kWel bis 2.000 kWel. Bereits mehr als 100.000 Wohneinheiten werden so versorgt.

 

Vattenfall kombiniert im virtuellen Kraftwerk BHKW und Wärmepumpen zu einem vernetzten, flexibel regelbaren und zentral gesteuerten Anlagensystem. Es ist das erste Kraftwerk, das während der Wärmeproduktion sowohl mit den BHKWs Strom produziert, als auch über die Wärmepumpen gezielt regenerativen Strom verbraucht. Durch die zentrale Steuerung kann Vattenfall beispielsweise bei Windstromüberschuss im Netz die Wärmepumpen aktivieren, die den Windstrom dann in CO2-freie Wärme umwandeln und bis zum Verbrauch speichern. Ziel ist es, bis Ende des Jahres 150.000 Wohneinheiten über das virtuelle Kraftwerk mit Wärme zu versorgen.

Zusammenschluss von 20 MW in Dortmund

Das im Oktober 2008 als Pilotprojekt in Betrieb gegangene virtuelle Kraftwerk von Siemens und RWE wird ausgebaut: Anfang Februar 2012 startete die RWE Energiedienstleistungen GmbH mit der Vermarktung des Produktes virtuelles Kraftwerk an der Energiebörse EEX in Leipzig. Dies ist die erste zentrale Direktvermarktung von Strom aus einer größeren Anzahl von EEG-Erzeugungsanlagen in Deutschland. Für das erste Betriebsjahr 2012 ist ein Zusammenschluss von etwa 20 Megawatt (MW) elektrischer Leistung vorgesehen. Bis zum Jahr 2015 wollen die beiden Unternehmen die Leistung auf etwa 200 MW verzehnfachen. Eingebunden werden unterschiedliche Stromerzeugungsanlagen wie Biomasseanlagen, Biogas-Blockheizkraftwerke, Windenergieanlagen und Wasserkraftanlagen in ganz Deutschland.

 

Für den Zusammenschluss zu dem virtuellen Kraftwerk sind zum Teil RWE-eigene Stromerzeugungsanlagen eingeplant. Im Wesentlichen soll aber RWE-Kunden die Möglichkeit zur Teilnahme an diesem Verbund gegeben werden. Durch die Teilnahme am virtuellen Kraftwerk profitiert der einzelne Anlagenbetreiber von den Skaleneffekten auf der Kostenseite infolge der Bündelung der Energiemengen.

EEG schafft Anreize für virtuelle Kraftwerke

„Virtuelle Kraftwerke eröffnen neue Möglichkeiten der Teilnahme am Energiemarkt. Genauso wichtig ist jedoch ihr Beitrag zur erfolgreichen Einbindung erneuerbarer Energien. Besonders im Hinblick auf die bevorstehende Energiewende werden virtuelle Kraftwerke in einem intelligenten Stromversorgungsnetz daher immer mehr an Bedeutung gewinnen“, sagte Jan Mrosik, CEO bei Siemens. Die Grundlage für die Vermarktung der gebündelten Energiemengen aus virtuellen Kraftwerken ist die Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes. Seit Beginn 2012 schafft das darin geregelte Marktprämienmodell einen Anreiz, Strom aus erneuerbaren Energien direkt an den Energiemärkten zu verkaufen.

Aktuell geförderte Projekte:

Aktuelle Publikation

Hintergrundinformation