Aktuell / 20.05.2011

RWTH Aachen: Stromnetze simulieren ist günstiger als probieren

Nehmen den Simulator in Betrieb (v.l.): die Professoren Rik W. De Doncker, Antonello Monti und RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg. Bild: RWTH Aachen

An der RWTH Aachen ist der leistungsfähigste Echtzeitsimulator für elektrische Übertragungs- und Verteilnetze in Betrieb gegangen. Die Energieforscher setzen damit theoretische Überlegungen in eine „virtuelle Praxis“ um. Diese Prüfung der Vorhaben am Rechner soll vor dem Bau kostspielige Planungsfehler vermeiden. An den Kosten der Energiewende hat der Netzumbau einen großen Anteil.


Die Stromversorgung in Deutschland soll im Zuge der Energiewende eine neue Struktur bekommen. Erneuerbare Energien sollen mit wachsenden Anteilen zum Gesamtbedarf beitragen. Der Austausch über die nationalen Grenzen hinaus wird intensiver. Gleichzeitig wird es immer mehr Kraftwerke mit kleineren Leistungen an dezentralen Standorten geben – bis hin zur Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage im Keller von Einfamilienhäuser.

 

Neue Speicherkapazitäten müssen in großem Umfang geschaffen und in die Versorgung eingebunden werden. Dafür müssen die Übertragungs- und Verteilnetze intelligenter werden. Es gilt teure Fehlinvestitionen in Netzausbaus und Netzsteuerung durch eine gut geprüfte Planung zu vermeiden. Dafür sollen nun die Forscher an der RWTH Aachen sorgen.

 

„Die Stromversorgung der Zukunft verlangt nach automatisierten Steuerungen, die eine Echtzeit-Kommunikation zwischen den Knotenpunkten des Netzwerks ermöglichen. Erst dann kann das komplexe System innerhalb von Sekundenbruchteilen automatisch auf veränderte Einspeise- und Nutzungsbedingungen reagieren. Wir sind froh, dass wir hier am Aachener Energieforschungszentrum bei der Entwicklung entsprechender Lösungen ab sofort mit dem leistungsfähigsten Echtzeitsimulator Europas arbeiten können“, sagt Prof. Ph.D. Antonello Monti vom Institute for Automation of Complex Power Systems des EON Energy Research Centers (EON ERC).

Kombination von Wechsel- und Gleichstrom in der Simulation

Die Einflüsse von Strom aus Windenergie auf das Versorgungsnetz werden Monti und sein Team beispielsweise in interdisziplinärer und fakultätsübergreifender Zusammenarbeit mit weiteren Instituten der RWTH Aachen untersucht. In Kooperation mit dem Team von Prof. Dr.-Ing. Rik W. De Doncker, Direktor des EON ERC, wollen die Wissenschaftler untersuchen, ob und wie sich das bestehende Wechsel- mit Gleichstromnetzen kombinieren oder gar durch diese ersetzen lässt.

 

Möglich wurde die Anschaffung des neuen Real Time Digital Simulators durch die Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der EON AG. Die Hälfte der 1,4 Millionen Euro betragenden Anschaffungskosten hat die DFG übernommen.