Aktuell / 20.11.2012

Prognos-Studie: Anreize für fossile Kraftwerke gefordert

Fossile Kraftwerke sind Teil der Energiewende. Welche Rolle sie spielen sollen, ist umstritten. Bild: Visdia/Fotolia

Thermische Kraftwerke müssen bis zum Jahr 2020 fast drei Viertel der gesicherten Leistung gewährleisten. Zu diesem Schluss kommt das Beratungsunternehmen Prognos in einer Untersuchung des deutschen Strommarktes. Es fehlten jedoch Investitionsanreize für Kraftwerksbetreiber.


Durch den Atomausstieg fehlen im Jahr 2020 nach Analyse von Prognos rund 8 GW gesicherte Kraftwerksleistung. Die Energiewende könne nur gelingen, wenn ausreichend flexible thermische Kraftwerke die stark fluktuierende Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien absichern, so die Prognos-Studie im Auftrag des Vereins der Kohleimporteure.

 

Fossile Kraftwerke hätten aber unter den aktuellen Marktbedingungen Probleme wirtschaftlich zu arbeiten. "Wir benötigen ein Strommarktdesign, das Investitionen in Bestandskraftwerke attraktiv macht und deren Weiterbetrieb wirtschaftlich ermöglicht", sagt Dr. Wolfgang Cieslik, Vorstandsvorsitzender des Vereins der Kohlenimporteure.

Verhängnisvolle Flexibilität der Gaskraftwerke

Fehlende Investitionsanreize in flexible Kraftwerkskapazitäten machten auch die jüngsten Zahlen des Kraftwerksbetreibers EON deutlich: Das effiziente Gaskraftwerk Irsching 5 lief zuletzt weniger als 1.600 Stunden im Jahr. Mehrere Anlagen, wie den Staudingen 4, schließt der Energiekonzern nun.

 

Kohlekraftwerke sind derzeit rentabler: RWE erhöhte seine Produktion mit der Inbetriebnahme der Blöcke in Neurat bei Köln dieses Jahr. Die Kohlekraftwerke stellen preisgünstig die Grundlast bereit. Im Gegensatz dazu werden Gaskraftwerke als Erste abgestellt, wenn Windräder und Photovoltaikanlagen viel Strom einspeisen. Ihre Flexibilität wird den Gaskraftwerken dabei zum Verhängnis.

 

Wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit und der niedrigen Börsen-Strompreise werden derzeit keine Investitionsentscheidungen für zusätzliche Kraftwerkskapazitäten getroffen, resümiert die Prognos-Studie. Die Studienautoren fordert deswegen einen Mechanismus zur Finanzierung der Retrofits bei Bestandskraftwerken. Sie schlagen vor, Knappheitspreisen zuzulassen oder einen marktbasierten Kapazitätsmechanismus einzuführen, der erneuerbare Energien und fossile Kraftwerke gleich behandelt.