Aktuell / 19.01.2012

Neues Waschmittel zur CO2-Abscheidung

Diese Packungen verteilen das Waschmittel im Absorber der CO2-Wäsche effizient. Bild: Siemens

Die erste Testphase seines CO2-Abscheidungsverfahrens in der Pilotanlage am Kohlekraftwerk Staudinger war erfolgreich. In der Pilotanlage wurde die chemische Langzeitstabilität des Waschmittels, die Effektivität des Prozesses und die Emissionen unter realen Kraftwerksbedingungen untersucht.

 

Nach über 3.000 Betriebsstunden der Anlage am Kohlekraftwerk Staudinger ist klar: Das getestete Post-Combustion-Capture-Verfahren erzielt nahezu ohne Waschmittelemissionen eine CO2-Abscheideleistung von mehr als 90 Prozent. Der Energieverbrauch ist im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren deutlich geringer.

 

Der geringe Waschmittelverlust wirkt sich positiv auf die Betriebskosten der CO2-Abscheidungsanlagen aus. Da das verwendete Waschmittel, eine wässrige Aminosäuresalzlösung, nicht flüchtig ist, treten am Ausgang der Abscheidungsanlage praktisch keine Waschmittelemissionen auf. Im Gegensatz zu bisher bekannten CO2-Abscheidungsverfahren, zum Beispiel mit Aminen, kommt das Waschverfahren ohne eine Nachreinigung des Rauchgases nach der CO2 Abscheidung aus. „Für uns besteht eine wichtige Anforderung an unser Verfahren darin, bei der CO2-Abtrennung keine neuen Emissionen zu erzeugen und eine einfache Handhabung für die Kraftwerksbetreiber zu erreichen. Deshalb haben wir von Anfang an auf wässrige Lösungen von Aminosäuresalzen gesetzt, die für Mensch und Umwelt unbedenklich sind“, sagte Nicolas Vortmeyer, CEO New Technologies Fossil Power Generation bei Siemens Energy.

 

Außer dem CO2 entfernt das Waschmittel weitere im Rauchgas enthaltene Schadstoffe. Diese vom Waschmittel aufgenommenen Verunreinigungen und entstehende Nebenprodukte sollen zukünftig aus dem flüssigen Waschmittel abgeschieden.

CO2-Wäsche senkt Wirkungsgrad um sechs Prozent

Die Forscher verbesserten den Prozess der Rauchgasabscheidung. Daher sank der Wirkungsgrad des Kraftwerkes nur um etwa sechs Prozentpunkte. Bisherige Schätzungen lagen bei einem Verlust von etwa zehn Prozentpunkten.

Weitere Tests in den USA und Norwegen

Die Pilotanlage am Kraftwerk Staudinger wurde vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Die Erfahrungen aus dem Projekt bilden die Basis für eine weitere Anlage, bei der das CO2-Waschverfahren in einem größeren Maßstab zum Einsatz kommt. Die Anlage soll 2012 am Kohlekraftwerk Big Bend des Energieversorgers Tampa Electric in Florida, USA, in Betrieb gehen. Hierfür hat das US-Energieministerium (United States Department of Energy, DOE) Fördermittel für Siemens bewilligt.

 

Im norwegischen Mongstad haben die Energiekonzerne Gassnova und Statoil Anfang 2012 dieses CO2-Abscheideverfahren in einen großtechnischen Test aufgenommen. Das Technologie-Qualifizierungsprogramm in einem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit Wärmeauskopplung soll bis 2014 die Eignung für diesen Kraftwerksbetrieb nachweisen.

Aktuell geförderte Projekte: